Das dämliche Gequatsche von Cesar Cantarra war das Letzte, was er jetzt hören wollte. Und ironischerweise musste Elijah Sharpknife höllisch aufpassen, dass es nicht auch das Letzte war, was jemals zu hören bekommen würde.
Elijah hatte am Lagerfeuer gesessen und frisch aufgebrühten Kaffee getrunken. Vor ihm am Boden im warmen und flackernden Schein des Feuers lagen drei Leinensäcke, und in den drei Leinensäcken waren drei Köpfe eingewickelt. Zwei der drei Köpfe würden ihm nach allem, was er auf den Steckbriefen gelesen hatte, achthundert Dollar einbringen. Über den Wert des dritten Kopfes war er sich nicht ganz im Klaren – er hatte den Auftrag bekommen, und zwar mündlich. Es war ein grüner Junge gewesen, der jedoch immerhin den Sheriff von Hill City erschossen hatte; – schwer zu sagen, was man dafür bekommen konnte.
Elijah schnitt seinen Opfern die Köpfe ab, weil es so einfacher war, sie mit den Abbildungen auf den Steckbriefen abzugleichen. Die Staatsdiener, die ihn für seine Arbeit schließlich auszahlten, fanden diese Vorgehensweise zwar befremdlich, aber Elijah war Indianer, und so wurde ihm ein gewisses Maß an befremdlichem Verhalten zugestanden. Er war indianischer Herkunft, auch wenn er von weißen Christenmenschen großgezogen worden war; grogezogen, um sehr bald hart und ohne Bezahlung für diese Christenmenschen zu arbeiten. Es war für ihn nur eine Frage der Zeit gewesen, das Weite zu suchen.
Elijah malte sich gerade aus, was er mit dem Geld machen würde – es war nicht leicht, so eine Zwischensumme, zu viel, um es zu verzechen, zu wenig, um ein neues Leben zu beginnen – als er hinter sich ein Knacken im Geäst hörte. Blitzschnell griff er neben sich, sprang auf und drehte sich mit seinem Gewehr im Anschlag dem Geräusch zu. Wie eine Maske schwebte Cesar Cantarras vom Feuerschein erhelltes Gesicht in der Dunkelheit. Es kaute und grinste, und dann trat der Mann aus den Bschen.
Cesar baute sich in einer Entfernung von wölf Fuß Eijah gegenüber auf. Sein Arme hingen gerade von seinen Schultern herunter, und die Finger seiner rechten Hand bewegten sich wie Spinnenbeine neben dem Griff seines Colts, der in seinem Hüftholster steckte. Dann spuckte Cesar aus und begann zu reden: „Elijah Sharpknife, hätte nicht gedacht, dich so schnell wieder zu sehen – jedenfalls nicht nach allem, was du in Fort Hays abgezogen hast. In welchem dieser Säcke ist denn der alte Joey drin? Solltest deine Beute besser nicht so lange spazieren führen. Hättest das Geld nehmen, und dich aus dem Staub machen sollen. Aber ist nicht dein Ding, nicht wahr? Zu fliehen, ist nicht deine Sache. Denkst, es ist feige, alles zurückzulassen. Ein Mann stellt sich seiner Umgebung, nicht wahr? Bist so’n Typ, der bleibt und sich seinem Schicksal stellt. Dabei ist es der natürliche Lauf der Dinge, Sachen zurückzulassen. Ist so das Leben halt. Man lässt ständig zurück: Eltern, Freunde, Städte, Frauen – und ganz zum Schluss lässt man jede Menge Überlebende zurück.“ Cesar machte eine dramatische Pause, um das Grinsen aus seinem Gesicht verschwinden zu lassen. „Joey steht dir nicht zu,“ sagte er dann in einem Tonfall, von dem er annahm, dass er angsteinflößend wäre. „Joey ist meiner. Bin ihm drei Wochen lang hinterher geritten. Joey ist rechtmäßig meiner, das Recht habe ich mir erritten. – Ich weiß, was du denkst: Es liegt nicht an mir, Recht zu sprechen. Aber dafür habe ich meinen Freund hier mitgebracht.“ Cesar deutete mit einer Kopfbewegung in die Richtung, wo sein Colt hing. „Darf ich vorstellen: Bill Justice.“ Und mit diesen Worten zog Cesar.
Elijah mochte nicht sterben. Er wollte in seinem Leben noch etwas anderes hören als Cesars Reden, und er wollte das Kopfgeld auf den Kopf hauen. Elijah wollte lieber springen als sterben. Also sprang er mit einem Satz hinter das Feuer. Er ließ sich fallen und rollte weg vom Licht, denn Licht deutet immer den Weg zum Tod.
Cesar folgte ihm, ein Schritt nach dem anderen, und mit jedem Schritt schoss Cesar. Er schoss Löcher in die Köpfe von Joey und dessen Leidensgenossen. Er schoss ein Loch in Elijahs Kaffeebecher – schade, dachte Elijah. Cesar schoss ins Feuer, und er schoss ins Unterholz – drei Inches vor Elijah. Und dann gab es noch drei mal ein trockenes metallisches Klicken, weil Cesar offensichtlich zu dämlich war, bis sechs zu zählen.
Elijah stand auf und ging auf Cesar zu. Er hielt ihm den Lauf seines Gewehrs an den Kopf und drückte ab.
Cesar war drei Tage lang umsonst hinter Joey her geritten. Vielleicht hatte er einen besseren Plan gehabt, was er mit dem Kopfgeld hätte anfangen können. Vielleicht hatte er für eine Farm gespart, vielleicht hatte er Schulden gehabt, wer weiß.
Aber so war nun mal der Wilde Westen. Die meisten starben mit wenigstens einer offenen Rechnung. Buchhaltung wird halt nicht mit dem Colt gemacht.
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